Energie AG stellt die Halbe Bier infrage!

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Vielleicht hat es mit der Hoffnungslosigkeit der Energie AG zu tun, noch irgendwen von der "Unmöglichkeit" des Erdkabels zu überzeugen, dass die immer gleichen Scheinargumente in die Presse gepusht werden. Diesmal hat der Wirtschaftsteil der Oö. Nachrichten vom 5.3.2014 eine ganze Legendensammlung unserer Freunde im Linzer "Power Tower" – ja, offensichtlich doch geglaubt. In der Schlagzeile findet sich nämlich kein Fragezeichen. Die folgende Gegendarstellung liegt der Zeitung bereits vor…

Die Verlegung eines Erdkabels sei "mit einer kostengünstigen und sicheren Versorgung nicht vereinbar", begründet die Energie AG, warum sie kein Erdkabel statt der geplanten Freileitung Vorchdorf - Kirchdorf verlegen will. Sieben betroffene Gemeinden und Tausende Bürgerinnen und Bürger fordern dies seit vier Jahren. Doch die Begründung der Energie AG widerspricht dem Gutachten der TU Graz. Vom Land beauftragt, wird dort wörtlich festgestellt, dass die geforderte Erdkabelvariante die "Erfordernisse einer langfristigen, sicheren und effizienten Energieversorgung" erfüllt und technisch realisierbar ist. Dieses Fazit ist mit der Bewertung der Freileitung identisch.
 
Der Gutachter hat ungeachtet dieser wesentlichen Gleichwertigkeit der Alternativen einen "Vorzug" für die Freileitung formuliert: Die Freileitung ist billiger, und sie weist etwas geringere Stromverluste auf – allerdings nur 0,5 Prozent. Den Preisunterschied allerdings gibt die Energie AG falsch an: Sie vergleicht nämlich den von ihr selbst behaupteten Maximalpreis für das Kabel (50 Mio.) mit einem nochmals um 0,4 Mio. abgerundeten Minimalpreis von 17 Mio. Das wären dann theoretisch Mehrkosten von 33 Mio. – im Widerspruch zur eigenen Darstellung der Energie AG vom 14.6.2010, wo diese Mehrkosten realistischer mit "mindestens" 24 Mio. beziffert sind. Viel Geld?
 
Wir kommen zu der "Halben Bier". Sie ist in Wirklichkeit nicht einmal ein Pfiff:
Mehrkosten laut Gutachten: 25,8 Mio.
geteilt durch 40 Jahre (Mindestlebenszeit Erdkabel)
umgelegt auf 423.000 Stromkunden der Energie AG
ergibt: 1,53 Euro durchschnittlich pro Kunde und Jahr, d.h. noch unter der Promillegrenze eines Singlehaushaltes!
 
An dieser Rechnung ändert sich natürlich auch nichts, wenn das Erdkabel tatsächlich (was nur eine Annahme ist) nach 40 Jahren ausgetauscht werden müsste. Wie die Energie AG das anders rechnet, bleibt ihr Geheimnis. Und was sie verschweigt, ist der noch gar nicht eingerechnete Preisverfall im Erdkabelmarkt. Die "Halbe Bier" wird nicht einmal erreicht, wenn alle drei derzeit geplanten 110-kV-Leitungen der Energie AG als Erdkabel gebaut würden.
 
Ebenfalls verschwiegen und in der Wertung des Gutachtens ausdrücklich nicht berücksichtigt sind volkswirtschaftliche und private Schäden durch die Freileitung (wobei Entschädigungen letztlich auch volkswirtschaftlich wirksam sind): Grundwertverluste, Bewirtschaftungserschwernisse, gutachterlich mit hoher Sicherheit prognostizierte Waldschäden, erhebliche großflächige Beeinträchtigungen des Landschaftsbilds (unbestritten laut naturschutzbehördlichem Bescheid) und des Erholungswerts der Landschaft mit Auswirkungen auf den Tourismus, Risiken für die Gesundheit (hier sind die Empfehlungen des Europarats wohl angebrachter als die Beschwichtigungen der Energie AG "negative Folgen … für die Gesundheit seien nicht belegt").
 
Schließlich geht auch der Hinweis der Energie AG ins Leere, das "Potenzial für weitere Kabel sei derzeit erschöpft": Technisch ist das hier vorgesehene Erdkabel mittels der Trenntransformatoren nämlich so konzipiert, dass dieses Potenzial gar nicht angetastet wird. Erschöpft dürfte eher der Vorrat an Argumenten gegen die Erdverkabelung sein, denn alles, was die Energie AG hier vorbringt, wurde schon dutzendfach klar widerlegt. Es wird durch Widerholung nicht wahrer.

 

 


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