Erdkabel heute um fast ein Drittel billiger – Freileitung immer fragwürdiger

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"Markante Entwicklungen der Kabelpreise" waren vor gut zwei Monaten Grund für den großen Schweizer Netzbetreiber AXPO, einen geplanten Leitungsbau abzuändern: Statt einer Freileitung kommt nun ein knapp 20 km langes 110-kV-Erdkabel. Ein Sonderfall bei den westlichen Nachbarn? – Nein, auch die Erdkabelvariante Vorchdorf-Kirchdorf wäre jetzt um fast 6 Mio. Euro billiger als im Herbst 2010 veranschlagt. Das Kostenargument wird also immer fadenscheiniger...
Foto: 110-kV-Erdkabel als Modell (Wikipedia)

Noch vor drei Jahren galt: Die Jahresrechnung des durchschnittlichen Stromkunden der Energie AG erhöht sich um ganze 1,53 Euro, wenn statt der Freileitung zwischen Vorchdorf und Kirchdorf ein Erdkabel umweltschonend und ohne Belastungen eingepflügt würde. Wer zu einem günstigeren Stromanbieter wechselt, kann das Hundertfache einsparen und sogar Ökostrom beziehen. Diese Rechnung Erdkabel gegen Freileitung wurde damals gutachterlich bestätigt und ist seitdem unbestritten, auch von der Energie AG. Man brauchte nur die Mehrkosten des Erdkabels durch die Anzahl der Stromkunden zu teilen. Doch seither hat sich einiges getan.

Nicht nur die Rohstoffpreise waren in Bewegung, auch weitere Kostenfaktoren haben sich zugunsten des Erdkabels geändert. Und damit wird nun die ohnehin fast unmerkliche jährliche Belastung des Stromkunden von 1,53 auf nur noch 1,18 Euro gedrückt. Gleichgeblieben ist, dass das Erdkabel volkswirtschaftliche Schäden durch die Freileitung, für die der Staat und somit der Steuerzahler aufkommt, nahezu komplett vermeidet: Folgewirkungen der massiven Grundwertverluste, ökologische Schäden durch den Bau und die Gefahr von Waldschäden, Landschaftszerstörung mit Auswirkungen auf den Tourismus, mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen und vieles mehr.

Seit kurzem ist auch bekannt, dass die Schäden durch einen Strom-Blackout in Oberösterreich schon nach zwei (!) Stunden soviel kosten wie der jetzt einmalig in 40 Jahren anfallende Mehrpreis für dieses Erdkabel – das aber genau einen solchen Blackout verhindern helfen könnte (vgl. unseren Artikel zur Versorgungssicherheit)! Immer mehr Menschen stellen sich die Frage, wann solche Vernunftgründe endlich stärker werden als kurzfristiges Gewinnstreben der Energie AG.

Verfasst von 110kV ade am 2. März 2014 - 14:43
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